Großbaustelle auf der B 31 bringt Dauerstau – Bis zu zwei Stunden Stau zu erwartet

Ab 29. Juli: Elfwöchige Sanierung der Leo-Wohleb-Straße – Bis zu zwei Stunden Stau zu erwarten – Tipp: Auf ÖPNV und Rad umsteigen

„Das wird nicht lustig!“ Normalerweise scheut Frank Uekermann, Leiter des Garten- und Tiefbauamts, keine Baustelle, weil er die Verbesserungen vor Augen hat, von denen später alle profitieren. Uekermann rechnet bei der Sanierung der Leo-Wohleb-Straße mit langen Staus, bis zu zwei Stunden hält er für realistisch. Warum das so ist und was man tun kann, um nicht im Stau stecken zu bleiben, erläutern wir auf dieser Seite.

Der marode Straßenzustand macht die Sanierung der Leo-Wohleb-Straße unausweichlich.

Der marode Straßenzustand macht die Sanierung der Leo-Wohleb-Straße unausweichlich.

Zur Vorgeschichte: Die nach Leo Wohleb, dem einzigen Ministerpräsidenten des bis 1952 existierenden Bundeslandes Baden benannte Brücke und Straße, stammen aus dem Jahr 1972. Trotz mehrmaliger Erneuerung der Fahrbahndecke besteht nach über 40 Jahren Nutzung nunmehr dringender Sanierungsbedarf. Aufgrund der massiven Spurrinnenbildung bilden sich immer wieder starke Wülste, die insbesondere für Motorradfahrer extrem gefährlich sind und daher regelmäßig abgefräst werden müssen.

Die Folge: Durch das Abfräsen verringert sich die Dicke des ohnehin unterdimensionierten Fahrbahnbelags fortwährend. Auf der Brücke besteht außerdem die Gefahr, dass die Abdichtung beschädigt wird, sodass im Winter tausalzbelastetes Wasser in die Brückenkonstruktion eindringen und dort massive Schäden verursachen kann. Solche Schäden sind noch erheblich aufwendiger zu sanieren, monatelange Bauarbeiten, eventuell sogar mit Vollsperrungen, wären die Folge.

Noch lassen sich teure Folgeschäden verhindern

Um das zu verhindern, wird nun der komplette Fahrbahnbelag auf der Leo-Wohleb-Straße ab der Brauerei Ganter bis zur Schwabentorbrücke erneuert. Dabei werden auch vermutlich bereits vorhandene Schäden in der Abdichtung der Leo-Wohleb-Brücke beseitigt. Außerdem werden undichte Übergangskonstruktionen zwischen Brücke und Straße erneuert, die zu niedrigen Geländer auf der Nordseite erhöht und auch die Zufahrtsrampe zur Schwabentorgarage saniert. Nicht zuletzt muss die  komplette Entwässerung sowohl der Brücke als auch der Straße neu aufgebaut werden: Bislang fließt das Wasser ungeklärt in die Dreisam. Das ist nach heutigen Vorschriften nicht mehr gestattet. Deshalb muss mit erheblichem Aufwand der Anschluss an die Kanalisation hergestellt werden. Im Vergleich zu den übrigen Arbeiten fast schon als Kosmetik zu bezeichnen sind diverse Betonsanierungen auf der Brückenunterseite.

Danach: Autobahnstandard und ein neuer Radweg

Auch wenn sich die Optik kaum verändert, werden sich durch die Sanierung doch zwei Dinge grundlegend verbessern: Zum einem entspricht der Fahrbahnaufbau künftig der Bauklasse SV. Für Nicht-Ingenieure: Das ist der bei Autobahnen übliche Standard, der dafür sorgen soll, dass trotz der täglich 28 000 Fahrzeuge frühestens in 10 bis 15 Jahren die erste Erneuerung der obersten Fahrbahnschicht fällig wird.
Zum anderen  können sich Radfahrer auf einen ordentlichen Radweg freuen – zumindest von der Ganter-Brauerei bis hinter die Aral-Tankstelle. Die weitere Verlängerung entlang der B 31 kann aus Kostengründen allerdings erst später realisiert werden. Apropos Kosten: Insgesamt sind für die Instandsetzung der Brücke, die Erneuerung der Fahrbahn sowie die Einrichtung des Radweges rund 1,6 Millionen Euro veranschlagt.

Lange Staus sind unvermeidbar

Schon ohne Baustelle ist die Leo-Wohleb-Brücke zu den Spitzenzeiten des Berufsverkehrs ein bis an die Grenze belastetes Nadelöhr. Fällt nur eine Fahrspur weg, weil beispielsweise ein Lkw liegen bleibt, ein Unfall passiert oder eine Baustelle kurzfristige Sperrungen erfordert, sind lange Staus bis weit in den Tunnel und  die Schwarzwaldstraße hinein die Folge. Auch die einzige durchgehende Ausweichroute über die  Kartäuserstraße läuft dann in kürzester Zeit voll. Genau dieses Szenario ist vorprogrammiert, wenn am 29. Juli die Bauarbeiten auf der Leo-Wohleb-Brücke beginnen.

Nur noch eine Fahrspur ab 29. Juli

In den ersten vier Wochen bis zum 24. August steht nur noch eine Fahrspur zur Verfügung. In der zweiten  Bauphase ab 25. August stehen sieben Wochen lang immerhin wieder zwei Fahrspuren zur Verfügung. Und:  Während der gesamten Bauzeit kann der B 31-Tunnel in Fahrtrichtung Innenstadt nur einspurig befahren  werden. Der Grund: Aufgrund der zu erwartenden Staus würde durch die Abgase binnen kürzester Zeit die  Brandmeldeanlage anspringen und einen Großeinsatz der Feuerwehr auslösen. Außerdem würde die Zweispurigkeit die Wartezeit auch nicht verkürzen, sondern lediglich die Länge des Staus. Nicht zuletzt wird  die zweite Fahrspur als Rettungsgasse benötigt. Weil sie als Baustellenzufahrt benötigt wird, muss außerdem während der ersten vier Wochen die Kopfwende auf Höhe des Ganter-Areals gesperrt werden. Sie wäre in dieser Zeit aber ohnehin nicht sonderlich attraktiv, weil sie direkt in den Stau führen würde.

Längere Grünphasen, mehr Kapazität im ÖPNV

Um zu verhindern, dass der Verkehr völlig kollabiert, hat das Garten- und Tiefbauamt in Zusammenarbeit mit einem externen Gutachter alle Möglichkeiten untersucht, um den Zufluss in die Leo-Wohleb-Straße zu verringern und den Abfluss zu erhöhen. Konkret sind folgende Maßnahmen geplant:

  • Längere Ampelphasen: Sowohl an der Schwabentorbrücke wie auch an der benachbarten Einmündung der Kartäuserstraße in den Schwabentorring werden die Grünphasen deutlich ausgeweitet. Damit kann der maximale Abfluss auf 1200 Fahrzeuge pro Stunde erhöht werden. Das entspricht etwa der Menge an Fahrzeugen, die hintereinander gereiht bis zur Anschlussstelle Kirchzarten der B 31 passen.
  • Eingeschränkter Vorrang für Stadtbahnen: In den Hauptverkehrszeiten wird die Vorrangschaltung für die Stadtbahnen auf der Schwabentorbrücke eingeschränkt. Dadurch können die Grünzeiten auf der B 31 verlängert werden.
  • Mehr Kapazität in Zügen und Bahnen: Die Bahn setzt auf der Höllentalbahn die maximal mögliche Waggonzahl ein. Eine Verdichtung des Taktes wäre einerseits sehr teuer, hätte laut Gutachten aber auch nur noch eine sehr geringe Entlastungswirkung. Die Freiburger Verkehrs AG wiederum setzt während der Bauzeit ausschließlich die langen Combinos ein, die am meisten Platz bieten, und fährt in den Stoßzeiten im 5-Minuten-Takt.
  • Parkverbote in der Kartäuserstraße: Die Kartäuserstraße wird sicherlich von ortskundigen Autofahrern als Ausweichroute genutzt werden und entsprechend schnell überlastet sein. Um den Verkehrsfluss nicht zusätzlich zu behindern, werden während der Bauzeit einige Parkplätze im westlichen Abschnitt wegfallen.
  • Überregionale Hinweisschilder: Schon ab der Autobahn 81 wird großflächig und frühzeitig auf die deutlich erschwerte Durchfahrt in Freiburg hingewiesen. In Hinterzarten gibt es außerdem eine dynamische Hinweistafel, die die aktuellen Wartezeiten verkündet. Ortskundigen ist daher die weiträumige Umfahrung zu empfehlen.
  • Verkehrsnachrichten und Navis: Um den überörtlichen Verkehr möglichst frühzeitig umzuleiten, werden die Verkehrsredaktionen der Rundfunksender stets aktuell mit Staumeldungen versorgt. Auch die Anbieter von Navigationsgeräten wurden frühzeitig über die Baustelle und deren Auswirkungen informiert.

Öffnung der Schützenallee als Ventil im Notfall

Zumindest eine geringe Entlastung wäre laut Gutachten zu erreichen, wenn die Waldseestraße oder die Schützenallee geöffnet würden. Ersteres geht allerdings nicht, weil es für Krankenwagen und Feuerwehren eine jederzeit freie Ausweichstrecke geben muss. Bezüglich der Schützenallee möchte Bürgermeister Martin Haag abwarten, wie sich die Verkehrssituation entwickelt. „Die Öffnung der Schützenallee ist eigentlich unzumutbar, da das erhöhte Sicherheitsrisiko für die Anwohner in keinem Verhältnis zu der nur sehr geringen
Entlastung auf der Leo-Wohleb-Brücke steht. Dennoch werden wir im Verlauf der Baumaßnahmen beobachten, ob eine Öffnung sinnvoll sein könnte“, so der Baubürgermeister. Ab der Seminarstraße steht Ortskundigen die Umfahrungsvariante durch die Wiehre aber auf jeden Fall zur Verfügung, weshalb die Wiehre auch ohne Öffnung der Schützenallee schon spürbar mehr Verkehr zu erwarten hat.

Sonderfall Heimspiele im SC-Stadion

Nochmals verschärfte Bedingungen gelten, wenn Mitte August erst die Bundesligasaison und Mitte September die Gruppenphase der Europaliga beginnt. Voraussichtlich fünf Heimspiele fallen in die Bauzeit, dazu kommt am 13. August das Freundschaftsspiel der U 21-Nationalmannschaft gegen Frankreich. Mehrere Tausend zusätzliche Fahrzeuge in kürzester Zeit sind am Nadelöhr Leo-Wohleb-Straße definitiv nicht zu bewältigen. Deswegen gilt hier der dringende Rat:
Bitte nicht mit dem Auto kommen! Selbst wenn nach Spielende die Waldseestraße geöffnet würde, was derzeit geprüft wird, wären lange Staus nach Spielschluss unvermeidbar.

Amtsblatt: http://www.freiburg.de/pb/,Lde/511216.html
Weitere Informationen zu den Bauarbeiten finden Sie: http://www.freiburg.de/pb/,Lde/504561.html
Aktuelle Infos zur Baustelle gibt es auf http://www.freiburg.de/baustellen

Besonders in der ersten bauphase bis 24. August sind lange Staus verprogrammiert.

Besonders in der ersten bauphase bis 24. August sind lange Staus verprogrammiert.

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