Krumm ist trotzdem gut – Die GARTENCOOP versorgt ihre Mitglieder mit Gemüse – wie, zeigt jetzt auch ein Film

Es geht auch ohne Supermarkt, Kühltransport und fragwürdige Anbaumethoden: Frisch von einem Acker in Bad-Krozingen-Tunsel bekommen die 260 vor allem in Freiburg wohnenden Mitglieder der „Gartencoop“ Gemüse geliefert – den letzten Weg übernehmen Lastenfahrräder.

Film „Die Strategie der krummen Gurken“: Montag, 8. Juli, 20:00 Uhr Kommunales Kino, Urachstr. 40, Freiburg. Dienstag, 9. Juli, 20:00 Uhr in Tunsel (Probelokal des Musikvereins, Turn- und Festhalle Tunsel). Donnerstag, 11. Juli, 16:00 Uhr: KuCa, Höllentalstraße 2 in Freiburg-Littenweiler. Freitag, 12. Juli,19:30 Uhr: Kommunales Kino Freiburg. Weitere Filmvorführungen und Infos unter www.gartencoop.org/film

GABRIELE HENNICKE
Gärtner Fabian Schlichtmeier und Landwirt Felix Schaad ernten Karotten. Von Hand – gebündelt wird direkt auf dem Feld. Später werden sie den zweiten Satz Zucchini pflanzen, der erste wird gerade geerntet, außerdem Mangold und Wirsing für den Herbst. „Wir haben den Anspruch, unsere Mitglieder das ganze Jahr über mit biologisch angebautem Gemüse zu versorgen. Etwa 60 verschiedene Kulturen bauen wir an, ausschließlich aus samenfestem Saatgut“, sagt Fabian Schlichtmeier.

Die Hofstelle des landwirtschaftlichen Betriebs liegt am Rande des kleinen Bad Krozinger Ortsteils Tunsel. Zwei große, nach einer Seite offene Hallen beherbergen landwirtschaftliche Maschinen und die Abpackstelle für das geerntete Gemüse. Die Felder liegen direkt um die Hofstelleverteilt. Dort wachsen – nach einer ausgeklügelten Fruchtfolge – Salate, Karotten, Erbsen, Lauch, Zucchini und Gartenkräuter. In großen Folientunneln stehen Tomaten, Gurken, Paprika und Auberginen, teilweise können sie bereits geerntet werden. Mit Technik nachgeholfen hat man nicht. „Wir verzichten auf eine Beheizung der Folientunnel“, sagt Fabian Schlichtmeier, „und wir lagern das Wintergemüse im Keller, weil wir möglichst wenig Energie verbrauchen wollen.“

rechts Fabian Schlichtmeier, links Felix Schaad.

rechts Fabian Schlichtmeier, links Felix Schaad.

In der Stadt verteilt

Auch bei der Verteilung des Gemüses an die Mitglieder schont man die Ressourcen. Donnerstags holt ein Mitglied mit einem Car-Sharing-Transporter das Gemüse in Tunsel ab und liefert es an den zentralen Verteilpunkt in Freiburg. Von dort bringen weitere Mitglieder das Gemüse mit Lastenfahrrädern an die zwölf Verteilstellen, wo die Mitglieder ihre Gemüsekiste dann abholen.

„Ich finde es gut, wenn es direkt geht zwischen denen, die das Gemüse anbauen, und denen, die es essen. Ohne Zwischenhandel und Supermärkte“, sagt Dorothea von Wangenheim aus Bad Krozingen. Die 78-Jährige kommt jeden Mittwoch auf die Hofstelle und kocht das Mittagessen für die Gärtner und die mithelfenden Mitglieder. Das ist ihr Einsatz für den Verein, denn eine aktive Mithilfe an fünf halben Tagen im Jahr gehört zum Konzept des Vereins. Arbeit gibt es genug, sei es beim Ernten, beim Jäteinsatz, bei der Verteilung oder in der Organisation von Veranstaltungen. „Viele Menschen suchen wieder den direkten Bezug zu den Lebensmitteln, die sie essen. Sie wollen wissen, wie sie angebaut werden, und freuen sich, wenn sie das, was auf ihrem Teller landet, selbst geerntet haben“, sagt Felix Schaad. Die Gartencoop nimmt gerne weitere Mitglieder auf.

Der 2009 gegründete Verein hat über ein Jahr am Konzept gearbeitet und Mitglieder geworben. Im Februar 2011 konnte dann der Betrieb in Tunsel gepachtet werden, 140 Mitglieder hatte der Verein bereits zu diesem Zeitpunkt. Mit einer einmaligen Einlagevon 400 Euro und einem jährlichen Mitgliedsbeitrag finanzieren die Mitglieder den Betrieb. „Wir verstehen den Betrieb und die 260 Mitglieder des Vereins als Bedarfsgemeinschaft und als soziale Bewegung“, sagt Gründungsmitglied Fabian Kern, „wir experimentieren und suchen eine Antwort auf die Krise der Landwirtschaft, die Folgen des Klimawandels und das Schwinden der fossilen Energien. Wir brauchen keine Subventionen und keine Bankkredite.“ Bei der jährlichen Mitgliederversammlung wird der Etat aufgestellt und die Mitglieder geben ein Gebot über ihren Finanzierungsbeitrag ab. Sie stufen sich nach ihren finanziellen Möglichkeiten selbst ein, als Anhaltsgröße gibt es einen durchschnittlichen Jahresbeitrag, der 2013 bei 1.000 Euro lag.

Was auf dem Acker wächst, muss keiner Norm genügen, ist es verzehrfähig, landet es auf dem Teller der Verbraucher. Ob eine Gurke krumm gewachsen ist oder gerade, spielt keine Rolle. Die Dokumentarfilmer des Medienkollektivs Cine Rebelde in Freiburg haben einen Film über das Innenleben und die Motivation der Gartencoop gedreht, „Die Strategie der krummen Gurken“. Der 64-minütige Film wird in den nächsten Wochen mehrfach in Freiburg und Umgebung gezeigt.

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